Neue Studie bestätigt: Unsere Wohngebiete eignen sich für ein Abwärmenetz – das zeigen auch die Zahlen der Stadt

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Eine aktuelle Studie rückt unsere Wohngebiete ins richtige Licht

Im Juni 2026 hat das Beratungsunternehmen Prognos einen bundesweiten Fernwärmeatlas veröffentlicht – die erste Analyse, die für jeden Kreis zeigt, wo ein Wärmenetz sinnvoll ist und wie es klimafreundlich versorgt werden kann. Legt man die Ergebnisse dieser brandaktuellen Studie neben die Zahlen der Eschborner Wärmeplanung, ergibt sich ein klares Bild: Unsere Wohngebiete eignen sich für ein Abwärmenetz deutlich besser, als die offizielle Empfehlung vermuten lässt – und die Wärmequelle liegt direkt nebenan.

(Ein Hinweis zur Sprache: Die Studie verwendet den Begriff „Fernwärme“. Gemeint ist dasselbe, was wir als Abwärmenetz bezeichnen – ein Wärmenetz, das aus der Abwärme der Rechenzentren gespeist wird.)

Was die neue Studie zeigt

Der Prognos Fernwärmeatlas kommt zu drei für uns entscheidenden Ergebnissen:

  • Wärmenetze sind der zentrale Hebel. Bundesweit könnten sie ihren Beitrag bis 2045 fast verfünffachen – die Studie hält „bis 2045 […] knapp 48 % der Wärmenachfrage“ für erreichbar (Prognos/Handelsblatt/Tagesspiegel Background, Fernwärmeatlas 2026).
  • Die Dichte entscheidet, nicht die Fläche. Die Studie fasst das in der Überschrift „Verdichtung schlägt Fläche“ zusammen: Wo viele Haushalte auf engem Raum wohnen, lohnt sich ein Netz – in Städten ist der Anteil vier- bis fünfmal höher als in dünn besiedelten Lagen.
  • Das Rhein-Main-Gebiet gehört zu den Gewinnern. Es zählt zu den großen Ballungszentren mit „sehr guten Voraussetzungen“, in denen das Potenzial meist bei 50 % und mehr liegt. Und: Industrielle Abwärme – auch die per Wärmepumpe gehobene Abwärme von Rechenzentren – wird ausdrücklich als lokale, erneuerbare Wärmequelle gezählt.

Was die Zahlen der Stadt zeigen: hohe Wärmedichte bei uns

Die Eschborner Wärmeplanung misst die Eignung an der Wärmeliniendichte – also daran, wie viel Wärme pro Meter Leitung abgenommen wird. Je höher der Wert, desto wirtschaftlicher das Netz. Ein in der Fachwelt gängiger Orientierungswert für Wirtschaftlichkeit liegt bei rund 1.500 kWh je Trassenmeter. Und genau hier wird es interessant – die eigenen Werte der Stadt für unsere Wohngebiete:

Unser WohngebietGebäudeWärmebedarfWärmeliniendichte
Kronberger Straße1533,5 GWh/a2.038 kWh/Trm
Niederhöchstadt (Ortskern)1.47037,3 GWh/a2.196 kWh/Trm
Kronthaler Weg1193,9 GWh/a2.482 kWh/Trm
Taunusstraße822,5 GWh/a1.503 kWh/Trm
Hauptstraße / Schöne Aussicht3198,1 GWh/a2.242 kWh/Trm

Alle fünf Wohngebiete liegen über dem Orientierungswert – der Ortskern mit seinen rund 1.470 Gebäuden sogar deutlich. Damit bestätigen die Zahlen der Stadt genau das, was die Prognos-Studie für gut geeignete Lagen beschreibt: ausreichend Wärmedichte für ein wirtschaftliches Netz. Zur Erinnerung: Allein die Rechenzentren können 188 GWh/a liefern.

Und trotzdem „ungeeignet“? Woran das wirklich liegt

Obwohl die Dichte hoch ist, stuft die Wärmeplanung ein Wärmenetz für unsere Wohngebiete als „wahrscheinlich ungeeignet“ ein. Liest man die Begründung genau, liegt das aber nicht an der Dichte, sondern an der unterstellten Zahl der Anschlüsse und der Entfernung zu einem geplanten städtischen Netz. Zum Ortskern hält die Wärmeplanung ein Netz ausdrücklich für möglich – bei ausreichenden Abnehmern und genügend Abwärmemengen aus zukünftigen Rechenzentren denkbar (Kommunale Wärmeplanung Eschborn 2025, Steckbrief Teilgebiet 2).

Damit benennt die Stadt selbst die einzige echte Stellschraube: die Anschlussbereitschaft. Aus „ungeeignet“ wird „denkbar“, sobald genug Haushalte mitmachen.

Die Abwärme liegt direkt vor unserer Haustür

Dass die Wärmequelle vorhanden ist, bestreitet auch die Wärmeplanung nicht. Für das Wohngebiet an der Kronberger Straße hält sie eine „Versorgung durch Nutzung der Abwärme der […] Rechenzentren“ ausdrücklich für möglich (Kommunale Wärmeplanung Eschborn 2025, Steckbrief Teilgebiet 1). Für das Gebiet Hauptstraße/Schöne Aussicht verweist sie auf einen möglichen Ausbau aus dem benachbarten Gewerbegebiet. Hohe Wärmedichte und Abwärmequelle nebenan – das ist genau die Konstellation, die ein neues Netz rechtfertigt.

Was das für uns bedeutet

Die Faktenkette ist eindeutig: Eine aktuelle bundesweite Studie bestätigt die Methode (Dichte entscheidet, Abwärme zählt, Rhein-Main top), und die Stadt liefert mit ihren eigenen Zahlen die lokalen Belege (hohe Dichte, Rechenzentren nebenan). Was fehlt, ist allein die verbindliche Anschlussbereitschaft – und genau die können weder eine Studie noch die Verwaltung herstellen, sondern nur wir selbst.

Deshalb müssen wir jetzt ran: Je mehr Haushalte ihr Interesse an einem Anschluss bekunden, desto eher kippt die offizielle Bewertung von „ungeeignet“ zu „machbar“ – rechtzeitig zur Fortschreibung der Wärmeplanung 2030. Wir arbeiten dabei nicht für die Verwaltung, sondern entlasten und unterstützen sie – denn allein schafft die Stadt das nicht, sondern nur gemeinsam mit uns.


Quellen und Einordnung

Prognos AG: Fernwärmeatlas (Studie, Stand Juni 2026); Datennutzung unter Angabe der Quelle „Prognos/Handelsblatt/Tagesspiegel Background“. Kommunale Wärmeplanung für die Stadt Eschborn (2025), Teilgebiets-Steckbriefe. Zwei ehrliche Einschränkungen: Die Prognos-Studie betont, dass sich der Netz-Neubau „von Null“ im bundesweiten Schnitt weniger lohnt als die Verdichtung bestehender Netze – unser Fall stützt sich deshalb auf die örtlich hohe Wärmedichte plus die direkt benachbarte Abwärmequelle. Und die Studie betrachtet ausschließlich Wohngebäude; die rechenzentrumsspezifischen Abwärmemengen stammen aus der Wärmeplanung, nicht aus dem Atlas. Stand: Juni 2026.