Zwei Fragen aus dem Eschborner Sommer: Kühlen mit dem Abwärmenetz – und warum die Eintragung unverbindlich bleibt
An den warmen Tagen rund um die Summertime und das Sommertheater sind Bürgerinnen und Bürger auf uns zugekommen. Zwei Fragen kamen dabei auf – und beide beantworten wir hier gern offen und ausführlich: Lässt sich aus einem Abwärmenetz auch Energie zum Kühlen gewinnen? Und verpflichtet mich der Eintrag in die Interessensliste bereits zu etwas?
Ja, ein Abwärmenetz kann im Sommer auch kühlen – das ist unser Ziel
Der Kern der Idee: Es braucht kein zweites, kaltes Leitungsnetz. Die Wärme aus dem Abwärmenetz wird direkt im Gebäude in Kälte umgewandelt – mit einer kompakten thermischen Kältemaschine, die aus dem vorhandenen Netz gespeist wird. Verteilt wird die Kälte über wandhängende Innengeräte, die einem Split-Klimagerät ähneln, aber ohne Kältemittel und ohne eigene Außeneinheit an der Fassade auskommen. Durch sie fließt schlicht gekühltes Wasser. Dass das funktioniert, zeigt ein Pilotprojekt in Gießen, wo eine thermische Kältemaschine unmittelbar an das Wärmenetz angeschlossen ist und die Innengeräte im Gebäude versorgt.
Der entscheidende Kniff: tiefer Rücklauf und zentrale Rückkühlung an der Quelle
Jede Kühlung erzeugt Restwärme, die abgeführt werden muss. Statt an jedem Haus eine eigene Rückkühlung zu betreiben, streben wir an, diese Restwärme über einen tief ausgekühlten Netzrücklauf zu bündeln und möglichst zentral an der Abwärmequelle rückzukühlen. Ein solcher tiefer Rücklauf mit großem Temperaturgefälle ist für ein Abwärmenetz ohnehin ideal – die Fachleute in Gießen kühlen den Rücklauf bewusst sehr stark aus und bezeichnen das als energetisch optimal für das System. Der willkommene Nebeneffekt: Das Netz wird genau in der Jahreszeit ausgelastet, in der niemand heizt, und in unseren Wohngebieten summen im Sommer keine dezentralen Klimageräte, die ihre Abwärme in die ohnehin aufgeheizte Umgebung blasen.
Ehrlich eingeordnet
Die einzelnen Bausteine dieser Lösung sind erprobt. Das Zusammenspiel im größeren Maßstab ist ein Zielbild, das wir bewusst als Anforderung formulieren und dem künftigen Betreiber vorschlagen – nicht als bereits beschlossene Tatsache. Und weil der Betreiber unseres künftigen Netzes noch nicht feststeht, haben wir jetzt die Chance, dieses Ziel von Anfang an mitzudenken. Die thermische Kühlung rechnet sich vor allem für größere Gebäude: Mehrfamilienhäuser, Wohnungseigentümergemeinschaften sowie Büro- und Gewerbebauten. Für ein einzelnes Einfamilienhaus wäre eine eigene Kältemaschine überdimensioniert.
Und verpflichtet mich der Eintrag zu etwas? Nein.
Das ist uns wichtig genug, es klar zu sagen: Wer sich in unsere Interessensliste einträgt, verpflichtet sich zu nichts. Der Eintrag ist eine unverbindliche Interessensbekundung – ohne Kosten, ohne Vertrag und ohne jede Lieferverpflichtung. Er dient allein dazu, den tatsächlichen Bedarf in unseren Wohngebieten sichtbar zu machen, als Grundlage für die Fortschreibung der Kommunalen Wärmeplanung. Ein tatsächlicher Anschluss ans Netz wäre – sollte es gebaut werden – erst zu einem viel späteren Zeitpunkt Gegenstand eines eigenen, freiwilligen Vertrags mit einem künftigen Netzbetreiber inkl. aller Preise. Bis dahin bleibt Ihr Eintrag genau das, was er ist: ein Signal „Ich wäre interessiert“.
Warum Ihre Eintragung den Ausschlag geben kann
Ein Netz, das von Anfang an für Wärme und Kühlung ausgelegt wird, lohnt sich umso eher, je mehr Menschen ihr Interesse bekunden. Ihre unverbindliche Interessensbekundung signalisiert der Verwaltung den Bedarf an Winter- und Sommerwärme, also einer zukunftsfähigen, ganzjährigen Versorgung.
Haben Sie weitere Fragen? Schreiben Sie uns an kontakt@esnihoe.de – wir ergänzen unsere FAQ gerne um Ihre Frage.
