Kategorie: KWP / Hintergrund

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    LEA-Studie 2023: Abwärme aus Frankfurt-Sossenheim kann Eschborn-Süd komplett dekarbonisieren

    Die fachliche Grundlage steht seit 2023

    Die Machbarkeitsuntersuchung „Abwärmenutzung aus Rechenzentren in Eschborn und Frankfurt-Sossenheim“ wurde im Mai 2023 von der LEA LandesEnergieAgentur Hessen herausgegeben. Erarbeitet wurde sie vom Fachgebiet Solar- und Anlagentechnik der Universität Kassel gemeinsam mit der GITA Gunter Ingenieure TA GmbH – fachlich begleitet von der Stadt Frankfurt und der Stadt Eschborn.

    Der 106-seitige Bericht untersucht, ob und wie der Wärmebedarf von Eschborn-Süd, Eschborn-Mitte und Frankfurt-Sossenheim durch Abwärme aus den Rechenzentren gedeckt werden kann. Die Antwort der Studie ist eindeutig: Das geht – technisch, wirtschaftlich und mit hoher CO₂-Einsparung.

    Die Kernergebnisse im Überblick

    Verfügbare Abwärmemenge:
    Im Rechenzentrumscluster an der Wilhelm-Fay-Straße in Frankfurt-Sossenheim stehen gewaltige Wärmemengen zur Verfügung – Tendenz stark steigend. 2022 waren es bereits knapp 35 Megawatt. Für 2027 wurde eine Steigerung auf über 100 Megawatt prognostiziert. Die Abwärme fällt das ganze Jahr über nahezu konstant an – ein entscheidender Vorteil gegenüber schwankenden erneuerbaren Quellen wie Sonne und Wind.

    Wärmebedarf der versorgbaren Gebiete:
    Bei einer Anschlussquote von 75 Prozent ergibt sich ein jährlicher Wärmebedarf von 144 Gigawattstunden für das gesamte Untersuchungsgebiet. Allein der Gewerbebereich Eschborn-Süd macht über 40 Prozent dieses Bedarfs aus – mit besonders hoher Wärmebedarfsdichte und außerordentlich großen Abnehmern.

    Das vorgeschlagene Konzept:
    Die Studie empfiehlt ein zweistufiges System. Ein kühles Abwärmesammelnetz (25 °C Vorlauf, 15 °C Rücklauf) führt die Abwärme zu einer zentralen Heizzentrale mit Großwärmepumpen und Wärmespeicher. Von dort verteilt ein heißes Wärmenetz (70 bis 80 °C) die Energie an die Abnehmer. Die Gesamttrassenlänge inklusive Verteilnetze beträgt 50 Kilometer.

    Wirtschaftlichkeit:
    Die Investitionskosten werden mit 135 Millionen Euro netto beziffert. Nach Förderung verbleibt ein Eigenanteil von etwa 88 Millionen Euro für den Betreiber. Die Wärmegestehungskosten liegen bei rund 105 Euro pro Megawattstunde – und damit deutlich unter den Kosten einer dezentralen Wärmepumpenlösung (125 bis 232 Euro pro Megawattstunde je nach Gebäudegröße). Die Studie hält explizit fest: Das Konzept ist für alle potenziellen Abnehmer wirtschaftlicher als dezentrale Wärmepumpen.

    Klimaschutz:
    Das Konzept spart über den Betrachtungszeitraum etwa 25.000 Tonnen CO₂ pro Jahr ein – rund 80 Prozent gegenüber der heutigen Versorgung mit Gas und Öl. Im Zieljahr 2045 erreicht die Einsparung sogar 96 Prozent. Das entspricht einer nahezu vollständigen Dekarbonisierung der Wärmeversorgung.

    Das Wiesenbad:
    Der erste Schritt ist gemacht Im September 2025 wurde mit der Betreiberfirma „nLighten“ einen Vertrag unterzeichnet, der die Versorgung des Eschborner Wiesenbads mit Abwärme aus dem Rechenzentrum „FRA1″ in der Schwalbacher Straße regelt. Eine erste Leitung von rund 800 Metern wird verlegt, die Baumaßnahme stockt aktuell, da die Verwaltung bei der Diskussion mit der Deutschen Bahn über die notwendige Querung der S-Bahn-Strecke nicht weiterkommt (Zitat öffentliche Sitzung zur Wärmeplanung am 27.05.2026).

    LEA-Leiter Dr. Karsten McGovern hat das Projekt damals als Vorbild bezeichnet und gehofft, dass es ein Ansporn ist, „auch die Abwärmenutzung aus den Rechenzentren im Sossenheimer Gewerbegebiet voranzutreiben.“

    Genau dort setzt unsere Initiative an.

    Was die Studie für Eschborn empfiehlt

    Die LEA-Studie nennt ausdrücklich die nächsten Schritte zur Umsetzung. Besonders eine Empfehlung ist für uns relevant:

    „Zusätzlich ist Öffentlichkeitsarbeit und eine Abfrage der Anschlussbereitschaft in Wohngebieten mit kleinteiliger Besitzstruktur empfehlenswert (z. B. durch Informationsveranstaltungen, Flyer, Fragebögen).“

    Genau diese Empfehlung greifen wir mit EsNihö auf. Wir sammeln die Anschlussinteressen strukturiert ein, damit die Verwaltung bei der Fortschreibung der Kommunalen Wärmeplanung 2030 auf eine belastbare Datenlage zurückgreifen kann.

    Die Studie hält außerdem fest, dass nicht nur Bereiche mit besonders hoher Wärmebelegungsdichte erschlossen werden sollen, sondern eine „flächendeckende Erschließung des gesamten betrachteten Gebiets“ anzustreben ist. Das stützt unsere Forderung, dass auch die Wohngebiete in Niederhöchstadt und im weiteren Eschborn-Mitte als Wärmenetz-Vorranggebiete ausgewiesen werden.

    Unser Fazit
    Die LEA-Studie liefert seit Mai 2023 die fachliche Grundlage für ein Abwärmenetz in Eschborn und Frankfurt-Sossenheim. Die Machbarkeit ist belegt, die Wirtschaftlichkeit ist nachgewiesen, das CO₂-Einsparpotenzial ist enorm. Mit dem Wiesenbad-Vertrag von 2025 ist der erste konkrete Schritt gemacht.

    Jetzt geht es darum, das große Bild umzusetzen: ein flächendeckendes Abwärmenetz, das auch die Wohngebiete in Eschborn und Niederhöchstadt erreicht. EsNihö setzt sich dafür ein, dass dieser Schritt nicht erst in zehn oder zwanzig Jahren erfolgt, sondern jetzt mit der notwendigen Geschwindigkeit vorbereitet wird.

    Quellen Die Studie zum Download: LEA Hessen – Publikation 4100: https://www.lea-hessen.de/mediathek/publikationen/4100
    Berichterstattung der Stadt Eschborn zum Wiesenbad-Vertrag: https://www.eschborn.de/aktuelles/detail/News/vorreiterprojekt-zur-nutzung-von-abwaerme

    Studienangaben:
    LEA LandesEnergieAgentur Hessen GmbH (Hrsg.), „Machbarkeitsuntersuchung Abwärmenutzung aus Rechenzentren in Eschborn und Frankfurt-Sossenheim“, Mai 2023. Verfasser: J. Zipplies, C. Sauer, B. Jürgens, O. Kusyy, J. Orozaliev und K. Vajen (Universität Kassel) sowie B. Bakaev, S. Kirchner und M. Gunter (GITA Gunter Ingenieure TA GmbH).